Eidgenössisches Schwingfest in Estavayer-le-Lac

Geschrieben von Erwin Schwarzentruber

Entlebucher und Wolhuser Schwinger ohne Wettkampfglück

Nach 2010 und 2013 stellen die Berner mit Matthias Glarner aus Meiringen zum dritten Mal in Serie den Schwingerkönig. Im Schlussgang besiegte er den Bündner Armon Orlik. Der Entlebucher Schwingerverband und der Schwingklub Wolhusen mussten den Heimweg ohne Eichenlaub antreten

 

Das 44. Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Estavayer-le-Lac war ein grossartiger und perfekter Anlass. Bei heissem Spätsommerwetter verzeichneten die Organisatoren auf dem 90 Hektaren grossen Festgelände in Payerne rund 255`000 Besucher. Die gigantische Schwingarena «Arène de la Broye» war jeweils am Samstag und Sonntag mit 52`016 Zuschauern restlos ausverkauft. Es war das grösste Eidgenössische Schwingfest, das jemals ausgetragen wurde und ein Wettkampf von höchster Güte. Mit diesem mustergültigen Anlass wird der Schwingsport seinen Aufschwung fortsetzen und weiter an Popularität gewinnen. Glücklicherweise blieb das befürchtete Verkehrschaos aus. Einzig die Hitze machte den Festbesuchern zu schaffen. Und mit Matthias Glarner aus Meiringen gibt es einen neuen Schwingerkönig. Der im Dezember 31 Jahre alt werdende Berner Oberländer vermochte dem Druck der jungen Garde standzuhalten und setzte die Serie der grossen Berner Festsiege in den letzten Jahren fort. Insgesamt wurden 46 Kränze verteilt. Den Löwenanteil sicherten sich die Berner mit 17, vor den Innerschweizern mit 14, den Nordostschweizern mit 10 und den Nordwestschweizern mit 5. Die gastgebenden Romands gingen leer aus.

König Matthias Glarner

Wie allgemein erwartet, eroberte ein Berner den Königstitel. Der Turn- und Sportlehrer Matthias Glarner zeigte sich in Estavayer nervenstark, bodigte bis auf den Thurgauer Samuel Giger im zweiten Durchgang jeden Gegner und wurde zum ersten Mal Schwingerkönig. Im Schlussgang besiegte er in der vierzehnten Minute nach einem gnadenlosen Abnützungskampf den Bündner Armon Orlik mit Kreuzgriff. «Ich habe immer an mich geglaubt und wusste, dass ich Schwingerkönig werden kann. Für mich ist heute ein Traum wahr geworden», freute sich Glarner. Im Triumph unterliess er es nicht, seinem Schlussganggegner zu gratulieren. «Armon Orlik hat hervorragend gekämpft und an diesem Wochenende die halbe Berner Elite besiegt. Ihm und den weiteren starken Athleten in seiner Altersklasse gehört die Zukunft.» Die Gegenwart hingegen gehört dem Berner Oberländer. Er durchbrach eine Durststrecke der über 30-jährigen Schwinger. Seit 1940 in Lausanne gewann kein Schwinger den Königstitel, der 30 Jahre und älter war.

Starker Armon Orlik

Der 21-jährige Schlussgangverlierer Armon Orlik aus Maienfeld zeigte sich nach der Schlussgangniederlage sehr enttäuscht. Der Bündner musste sich den Vorwurf gefallen lassen, im letzten Duell zu ungestüm angegriffen zu haben. Das gleiche Missgeschick passierte ihm schon im vierten Durchgang gegen Matthias Sempach. Dennoch darf er auf ein erfolgreiches Eidgenössisches Schwingfest zurückblicken. Er gewann sechs Gänge souverän und begeisterte das Publikum mit seiner offensiven Schwingerarbeit. Ihm gehört zusammen mit der jungen Schar um Samuel Giger, Remo Käser, Joel Wicki, Nick Alpiger und Pirmin Reichmuth die Zukunft.

 Matthias Sempach entthront

Vor allem dank dem Sieg von Schwingerkönig Matthias Sempach über seinen grössten Herausforderer Armon Orlik war es am Samstagabend an der Ranglistenspitze zum grossen Zusammenschluss gekommen. Nicht weniger als 25 Schwinger klassierten sich innerhalb von einem halben Punkt und durften sich noch Chancen auf den Königstitel machen. Von den meistgenannten Favoriten fiel, mit Ausnahme von Kilian Wenger, noch keiner aus den Traktanden. Bei den Innerschweizern machte sich das Fehlen von Joel Wicki bemerkbar. Am Sonntag dann das grosse Favoritensterben. Der Berner Hüne Christian Stucki fiel nach dem Remis gegen Beat Clopath aus dem Rennen um den Festsieg. Das gleiche galt für Matthias Sempach, der mit einer Punkteteilung an Sven Schurtenberger hängen blieb und die Titelverteidigung unmöglich machte.

Ohne Eichenlaub

Das Wettkampfglück schien den fünf Entlebuchern und zwei Wolhusern nicht beizustehen. Aus dem angestrebten Eichenlaub wurde nichts. Vom Entlebucher Schwingerverband vermochten sich nur Erich Fankhauser und Remo Vogel für den Kranzausstich zu qualifizieren. Vom Schwingklub Wolhusen absolvierte David Egli vom Steinhuserberg alle acht Gänge. Die restlichen Athleten schieden bereits nach vier respektive sechs Gängen aus. Auf den Schultern des Entlebucher Eidgenossen Erich Fankhauser  lasteten die grössten Hoffnungen. Am ersten Wettkampftag verschaffte er sich mit drei Siegen und der Niederlage gegen Schwingerkönig Matthias Sempach eine gute Ausgangslage. Am Sonntag resultierte aber nur ein Sieg gegen den St. Galler Ruedi Eugster sowie drei Niederlagen gegen Matthias Glarner, Roger Rychen und Philipp Reusser. Damit musste Erich Fankhauser sein grosses Ziel, den zweiten eidgenössischen Kranz, im achten und letzten Gang begraben. Der 22-jährige Hasler Remo Vogel durfte bei seiner ersten Teilnahme mit zwei Siegen, fünf Remis und einer Niederlage zufrieden sein. Das gleiche gilt auch für den 28-jährigen David Egli vom Steinhuserberg mit drei Siegen und fünf Niederlagen. Der zweite Wolhuser Vertreter, Damian Egli vom Steinhuserberg, schied mit zwei Gestellten und zwei Niederlagen nach dem ersten Wettkampftag aus.
 
Schlussrangliste

Eidgenössisches Schwingfest Estavayer-le-Lac: 1. Matthias Glarner, Meiringen, 78.25; 2. Samuel Giger, Ottoberg, 77.25; 3. Remo Käser, Alchenstorf, 77.25; 4. Christian Schuler, Rothenthurm, 77.00; 5.a Armon Orlik, Maienfeld; 5.b Matthias Sempach, Alchenstorf, je 76.75; 6. Adrian Schenkel, Kirchdorf, 76.50; 7.a Christian Stucki, Lyss; 7.b Philipp Laimbacher, Schwyz; 7.c Kilian Wenger, Horboden; 7.d Daniel Bösch, Zuzwil, je 76.00; 8.a Bernhard Kämpf, Sigriswil; 8.b Andi Imhof, Attinghausen; 8.c Willy Graber, Bolligen; 8.d Thomas Zaugg, Schangnau; 8.e Tobias Krähenbühl, Frauenfeld; 8.f Sven Schurtenberger, Buttisholz; 8.g Matthais Siegenthaler, Hondrich; 8.h Niklaus Zenger, Habkern, je 75.75; 9.a Simon Anderegg, Unterbach; 9.b Philipp Roth, Biberist; 9.c Andreas Ulrich, Gersau; 9.d Philipp Gloggner, Ruswil; 9.e Patrick Schenk, Wasen, je 75.50; 10.a Nick Alpiger, Staufen; 10.b Damian Gehrig, Wasen; 10.c Pirmin Reichmuth, Cham; 10.d Martin Hersche, Appenzell; 10.e Patrick Räbmatter, Uerkheim; 10.f Philipp Reusser, Aeschlen, je 75.25; 11.a Alex Schuler, Rothenthurm; 11.b Bruno Gisler, Rumisberg; 11.c Marcel Mathis, Büren, je 75.00; 12.a Roger Rychen, Mollis; 12.b David Schmid, Wittnau; 12.c Peter Horner, Glarus; 12.d Michael Bless, Gais; 12.e Martin Grab, Rothenthurm; 12.f Mike Müllestein, Steinen, je 74.75; 13.a Thomas Sempach, Heimenschwand; 13.b Stefan Stöckli, Wolhusen; 13.c Martin Suppiger, Willisau; 13.d Marcel Kuster, Appenzell; 13.e Domenic Schneider, Friltschen; 13.f René Suppiger, Sursee; 13.g Mario Thürig, Möriken, je 74.50 (alle mit Kranz). 15.h Erich Fankhauser, Hasle; 15.i Michael Müller, Kottwil, je 74.00; 18.f Philipp Scheidegger, Roggliswil; 18.l Werner Suppiger, Ufhusen, je 73.25; 20.l Remo Vogel, Hasle, 72.25; 22.a David Egli, Steinhuserberg, 72.25.

Nach sechs Gängen ausgeschieden: 27.a Joel Ambühl, Hergiswil; 27.j Michael Graber, Schötz, je 54.00; 28.b Seppi Felder, Ebnet; 28.p Christoph Bernet, Willisau, je 53.75; 29.c Roger Bürli, Menzberg, 53.50;

Nach vier Gängen ausgeschieden: 19.d Reto Fankhauser, Hasle, 35.50; 21.a Jonas Brun, Entlebuch, 35.00; 23.d Damian Egli, Steinhuserberg, 34.50; 26. Marco Heiniger, Menznau, 26.00 (Unfall).

Steinstossen mit Unspunnen-Stein 83,5 kg: 1. Remo Schuler, Rickenbach, 3,77 m; 2. Simon Hunziker, Herznach, 3,60 m; 3. Peter Michel, Interlaken, 3,58 m; 4. Pascal Mürner, Reichenbach, 3,51 m.

Hornussen: 1. Epsach, 2460; 2. Hettiswil-Eintracht, 2430; 3. Lüssingen-Nennigkofen, 2300; 4. Lyss, 2278.

Hornussen Einzelschläger: 1. Pascal Keller, Lyss, 176; 2. Renato Hornberger, Wichtrach, 165; 3. Roland Kocher, Epsach, 165; 4. Mathias Laubscher, Lüsslingen-Nennigkofen, 162.